Alice Schwarzer

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Alice Schwarzer
Alice Schwarzer

Alice Schwarzer (* 3. Dezember 1942 in Wuppertal-Elberfeld) ist eine der bekanntesten Vertreterinnen der deutschen Frauenbewegung. Sie ist Gründerin und Herausgeberin der Frauenzeitschrift Emma.

Inhaltsverzeichnis

[bearbeiten] Biografie

Kindheit und Religion

Alice Schwarzer wurde als nichteheliches Kind geboren und wuchs bei ihren Großeltern auf. In einem Interview bezeichnete Schwarzer später ihren Großvater als „sehr mütterlichen Großvater“ und ihre Großmutter als „sehr politisiert mit einem hohen Gerechtigkeitssinn“. Prägend sei für sie der gelebte Widerstand ihrer Familie gegen die Nazis und die Solidarität mit den Opfern gewesen. Schwarzer entstammt einer atheistischen Familie. Sie ließ sich mit zwölf Jahren evangelisch taufen und später auch konfirmieren. Sie bezeichnet sich als „nicht im engeren Sinne gläubig“.

Ausbildung und Leben in Paris

Schwarzer besuchte die Handelsschule und arbeitete einige Jahre im kaufmännischen Bereich. 1963 ging sie nach Paris, absolvierte ein Sprachenstudium und kehrte 1965 nach Deutschland zurück. Sie volontierte bei den Düsseldorfer Nachrichten und ging 1969 als Reporterin zur Zeitschrift Pardon, wo sie Nachfolgerin von Günter Wallraff wurde. Von 1970 bis 1974 arbeitete sie in Paris als freie politische Korrespondentin für Radio, Fernsehen und Zeitschriften. Ihr Spezialgebiet waren „die Folgen von 68 im politischen, sozialen und kulturellen Bereich“. Sie studierte gleichzeitig Psychologie und Soziologie, unter anderem bei Michel Foucault. Sie gehörte mit Monique Wittig zu den Initiatorinnen der Pariser Frauenbewegung (Mouvement de Libération des femmes, MLF).

70er Jahre

1970 freundete Schwarzer sich mit Simone de Beauvoir und Jean-Paul Sartre an. Ihre Interviews mit Beauvoir, geführt zwischen 1971 und 1982, veröffentlichte sie 1983 auch als Buch. Ihr Fernsehporträt über Beauvoir von 1973 für den NDR veröffentlichte sie 2009 im Emma-Verlag.

1971 initiierte Schwarzer die Aktion Frauen gegen den § 218, insbesondere das öffentlichen Bekenntnis von 374 Frauen Wir haben abgetrieben!, mit dem der Stern am 6. Juni 1971 aufmachte; im Herbst desselben Jahres folgte ihr erstes Buch Frauen gegen den § 218.

Schwarzer vertritt den sogenannten Gleichheitsfeminismus, der unter anderem auch von Simone de Beauvoir vertreten wurde. In ihrem Buch Der kleine Unterschied und seine großen Folgen analysiert sie die Sexualität als „Angelpunkt der Machtverhältnisse zwischen den Geschlechtern und der Unterdrückung der Frauen“. Die „Zwangsheterosexualität“ ist für sie nicht angeboren, sondern ein kulturelles Gebot. Sie plädiert für eine freie Sexualität und die ökonomische Unabhängigkeit für Frauen. Das Buch erschien 1975 und machte Schwarzer über Westdeutschland hinaus bekannt. Es wurde in zwölf Sprachen übersetzt, zuletzt 2001 auf Koreanisch. Seitdem gilt sie als die bekannteste und auch umstrittenste Persönlichkeit der neuen deutschen Frauenbewegung.

Zu Alice Schwarzers Bekanntheit hatte auch ein Fernsehduell mit Esther Vilar beigetragen, das der WDR im Februar 1975 zwar nur im Nachmittagsprogramm ausstrahlte, das jedoch in den maßgebenden Printmedien ausführlich dargestellt wurde. Vilar hatte in ihrem Buch Der dressierte Mann mit der These provoziert, dass nicht die Frau durch den Mann unterdrückt werde, sondern umgekehrt der Mann durch die Frau. In dem unmoderierten Streitgespräch kam es zwischen den herausragenden Vertreterinnen des Feminismus und des Anti-Feminismus zu teils bizarren Wortwechseln und zwischen ihren Anhängern zu einer öffentlichen Geschlechter-Debatte. Schwarzer erklärte darin unter anderem, Vilar sei zynisch, eine Verräterin am eigenen Geschlecht und „nicht nur Sexistin, sondern Faschistin“. Die Fernsehzeitschrift Gong fasste die Frontlinien so zusammen: „Die Männer stimmten für Esther, die Frauen für Alice.“

Gründung der Emma

Im Januar 1977 erschien die erste Ausgabe der von ihr gegründeten Zeitschrift Emma, deren Verlegerin und Chefredakteurin sie seither ist.

1979 fuhr Schwarzer zusammen mit einer Gruppe französischer Intellektueller nach Teheran, wenige Wochen nach der Machtergreifung Khomeinis und auf den Hilferuf von Iranerinnen hin, die sich gegen Zwangsverschleierung und Entrechtung wehrten. Schwarzer schrieb darüber einen Artikel in der Emma und der Zeit, dessen Credo lautete: „Diese Frauen waren gut genug, ihr Leben im Kampf für die Freiheit zu riskieren, sie werden nicht gut genug sein, in Freiheit zu leben.“ Seither ist das Thema der Gefahr, die vom religiösen Fundamentalismus aus geht, eines ihrer zentralen Themen.

90er Jahre

1990 rief Schwarzer den „Emma-Journalistinnen-Preis“ ins Leben. Eine wechselnde, unabhängige Jury verleiht seither alle zwei Jahre unter Schwarzers Vorsitz Preise an Journalistinnen und Journalisten für „journalistisch innovative Artikel, die ein Bewusstsein für gesellschaftliche Realitäten und die Lage der Geschlechter haben“. 1992 bis 1993 moderierte Schwarzer die Talkshow Zeil um Zehn des Hessischen Rundfunks.

Seit 1993 erscheint Emma alle zwei Monate. Schwarzer schreibt wieder vermehrt Bücher, politische Essays und Biografien. 1993 erschien ihre Fallstudie als Faction-Literatur über den Tod von Petra Kelly und Gert Bastian, der seine Lebensgefährtin im Schlaf erschoss und dann sich selbst. Auch schrieb sie Biografien über Marion Dönhoff und Romy Schneider. Bis 2010 veröffentlichte Schwarzer 25 Bücher als Autorin und 17 als Herausgeberin.

Nachfolge der Chefredaktion der Emma

Anfang Dezember 2007 gab Schwarzer bekannt, die Chefredaktion von Emma spätestens im Frühjahr 2008 an die Fernsehjournalistin und Kolumnistin Lisa Ortgies übergeben zu wollen. Nachdem Ortgies nach nur acht Wochen als Chefredakteurin im Mai 2008 wieder ausschied, führte Schwarzer die Chefredaktion selber weiter. Das Nachrichtenmagazin Der Spiegel unterstrich die Vermutung, Alice Schwarzer habe weiterhin das Tagesgeschäft dominiert und so einen Generationswechsel zum Scheitern gebracht.

Gegenwart

Im Sommersemester 2009 übernahm Schwarzer eine Gastprofessur an der Wiener Hochschule für angewandte Kunst sowie eine Gastdozentur bei den Publizisten, die Herzl-Dozentur. An der Angewandten hielt sie im April und Mai Vorträge zu den Themen Pornografie und sexuelle Gewalt, Religiöser Fundamentalismus und Frauen und Männer.

Im Wintersemester 2010/2011 übernimmt Schwarzer als Gastprofessorin die Mercator-Professur an der Universität Duisburg-Essen.

[bearbeiten] Auszeichnungen

  • 1992: Dr. Kurt Neven DuMont Medaille der Westdeutschen Akademie für Kommunikation
  • 1996: Bundesverdienstkreuz am Bande
  • 1997: Schubart-Literaturpreis der Stadt Aalen
  • 1997: Frau des Jahres 1997 des Verbandes Deutscher Staatsbürgerinnen
  • 2003: Zivilcourage-Preis des Berliner CSD für ihr Lebenswerk
  • 2004: Goldene Feder der Bauer Verlagsgruppe (Ehrenpreis)
  • 2004: Bambi für die Sendung „Wer wird Millionär?“ mit Günther Jauch
  • 2004: Ritter der französischen Ehrenlegion (Chevalier dans l'Ordre National de la Légion d'Honneur)
  • 2004: Staatspreis des Landes Nordrhein-Westfalen
  • 2005: Danubius 2004 (Sachbuchpreis der Buchgemeinschaft Donauland)
  • 2005: Bundesverdienstkreuz Erster Klasse
  • 2005: Journalist des Jahres (Branchenzeitschrift „Medium-Magazin“)
  • 2006: Ehrengabe der Heinrich-Heine-Gesellschaft
  • 2008: Ludwig-Börne-Preis
  • 2010: Mercator-Professur der Universität Duisburg-Essen

[bearbeiten] Werke

Als Autorin

  • 1971: Frauen gegen den § 218. Suhrkamp Verlag, Frankfurt
  • 1973: Frauenarbeit – Frauenbefreiung. Suhrkamp Verlag, Frankfurt
  • 1975: Der kleine Unterschied und seine großen Folgen. Frauen über sich. Beginn einer Befreiung. Fischer Taschenbuch, 2002, ISBN 978-3-596-21805-9
  • 1981: So fing es an – 10 Jahre neue Frauenbewegung. Chronik, EMMA Verlag, 1983, Taschenbuch bei dtv
  • 1982: Mit Leidenschaft. Rowohlt Verlag, Hamburg
  • 1982: Simone de Beauvoir heute – Gespräche aus 10 Jahren. Rowohlt Verlag, Hamburg
  • 1989: Warum gerade sie? Weibliche Rebellen. Luchterhand Verlag, Frankfurt 1991, Taschenbuch im Fischer Verlag
  • 1992: Von Liebe + Haß. Fischer Verlag, Frankfurt
  • 1993: Eine tödliche Liebe – Petra Kelly + Gert Bastian. Kiepenheuer & Witsch, Köln 1994, Taschenbuch im Heyne Verlag, München
  • 1996: Marion Dönhoff – Ein widerständiges Leben. Kiepenheuer & Witsch, Köln 1997, Taschenbuch im Knaur Verlag, München
  • 1997: So sehe ich das. Kiepenheuer & Witsch, Köln
  • 1998: Romy Schneider – Mythos und Leben. Kiepenheuer & Witsch, Köln, 2000, Taschenbuch im Knaur Verlag, München
  • 2000: Der große Unterschied. Gegen die Spaltung von Menschen in Männer und Frauen.. Kiepenheuer & Witsch, Köln 2002, ISBN 978-3-462-02934-5; Taschenbuch im Fischer Verlag, ISBN 978-3-596-15237-7
  • 2002: Alice im Männerland. Eine Zwischenbilanz.. Kiepenheuer & Witsch, Köln, ISBN 978-3-462-03143-0
  • 2005: Liebe Alice, liebe Barbara. Kiepenheuer & Witsch, Köln (Briefwechsel mit Barbara Maia)
  • 2007: Die Antwort, ISBN 978-3-462-03773-9
  • 2010: Die große Verschleierung: Für Integration, gegen Islamismus, ISBN 978-3-462-04263-4 (Mit Beiträgen u.a. von: Elisabeth Badinter, Djemila Benhabib, Rita Breuer, Cornelia Filter, Carola Hoffmeister, Necla Kelek, Chantal Louis, Khalida Messaouidi-Toumi, Katha Pollitt, Annette Ramelsberger, Gabriele Venzky, Martina Zimmermann)

Als Herausgeberin

  • 1980: Wahlboykott. EMMA Verlag, Köln
  • 1981: Das EMMA-Buch. dtv, München
  • 1982: Sexualität. EMMA Verlag, Köln, TB 1984 im Rowohlt Verlag, Hamburg
  • 1984: Durch dick und dünn. EMMA Verlag, Köln. TB 1986 im Rowohlt Verlag, Hamburg
  • 1986: Weg mit dem § 218!, EMMA Verlag, Köln, aktualisierte Neuauflage: 1990 Fristenlösung jetzt!. EMMA Verlag, Köln
  • 1986: Das neue EMMA-Buch. dtv, München
  • 1988: PorNO. EMMA Verlag, Köln
  • 1988: Hrsg. mit Gerhard/Schwarzer/Slupik: Auf Kosten der Frauen. Frauenrechte im Sozialstaat. Beltz, Weinheim
  • 1991: KRIEG. Was Männerwahn anrichtet – und wie Frauen Widerstand leisten, gegen Krieg und islamischen Fundamentalismus. EMMA Verlag, Köln. TB 1992 Fischer Verlag, Frankfurt
  • 1991: Das neueste EMMA-Buch. dtv, München
  • 1991: Schwesternlust + Schwesternfrust. 20 Jahre Neue Frauenbewegung – eine Chronik. EMMA Verlag, Köln
  • 1994: PorNO. Kiepenheuer & Witsch, Köln (aktualisierte Neuauflage vom gleichnamigen EMMA-Buch)
  • 1994: Turm der Frauen. Der Kölner Bayenturm. Vom alten Wehrturm zum FrauenMediaTurm. DuMont Buchverlag, Köln
  • 2000: Man wird nicht als Frau geboren. Kiepenheuer & Witsch, Köln
  • 2002: Die Gotteskrieger – und die falsche Toleranz. Kiepenheuer & Witsch, Köln
  • 2007: Emma. Die ersten 30 Jahre. Kollektion Rolf Heyne, München

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