Arno Breker

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Arno Breker
Arno Breker

Arno Breker (* 19. Juli 1900 in Elberfeld (heute ein Stadtteil von Wuppertal); † 13. Februar 1991 in Düsseldorf) war ein deutscher Bildhauer und Architekt und ist auf Grund seiner Verstrickung in den Nationalsozialismus bis heute umstritten.

Inhaltsverzeichnis

[bearbeiten] Ausbildung

Arno Breker wurde als ältester Sohn des Steinmetz-Meisters und Grabmalkünstlers Arnold Breker und dessen Frau Luise im Jahre 1900 in Elberfeld geboren. Er besuchte die Oberrealschule, erlernte im elterlichen Betrieb schon früh das Steinmetz-Handwerk, besuchte die Kunstgewerbeschule in Elberfeld und beschäftigte sich mit den Werken Auguste Rodins und Michelangelos. Nachdem er eine Zusammenarbeit mit dem Künstler und Professor Adolf von Hildebrand (München) aus wirtschaftlichen Gründen nicht hatte verwirklichen können, begann er 1920 das Studium an der Düsseldorfer Kunstakademie.

Er beteiligte sich erfolgreich an mehreren Architekturwettbewerben und Wettbewerben für Ehrenmale (so etwa 1922/23 an einem Wettbewerb für die Gestaltung des Ehrenfriedhofs seiner Heimatstadt Elberfeld / Mutter-Sohn-Gruppe /Pietà-Typus). 1925 schloss er sein Studium in Düsseldorf ab.

[bearbeiten] Paris

Röntgen-Denkmal in Remscheid-Lennep
Röntgen-Denkmal in Remscheid-Lennep

1927 beschloss er, sich in Paris niederzulassen. Er knüpfte zahlreiche Kontakte – darunter lebenslange Freundschaften – zu Künstlern und Intellektuellen wie Aristide Maillol, Charles Despiau, Maurice de Vlaminck, Robert Delaunay, Emile Antoine Bourdelle, Constantin Brancusi, Jules Pascin, Jean Fautrier, Isamu Noguchi oder Man Ray und bereiste Nordafrika. Seine plastischen Arbeiten wurden in diesem Zeitabschnitt stark von Aristide Maillol, Charles Despiau und Auguste Rodin beeinflusst.

Die Verbindung nach Deutschland riss jedoch nicht ab. So erhielt er Aufträge für eine Großplastik für die Kirche St. Matthäus in Düsseldorf und für das Röntgen-Denkmal in Remscheid. Es wurde zu Ehren des im Remscheider Stadtteil Lennep geborenen, deutschen Physikers Wilhelm Conrad Röntgen, dem Entdeckers der nach ihm benannten Röntgenstrahlen, errichtet.

1933 folgten Studienaufenthalte in Rom, Florenz und Neapel. Die hier aufgenommenen Anregungen von der Skulptur der Antike und der Renaissance – insbesondere Michelangelos – beeinflussten nachhaltig Brekers mittlere, sogenannte „klassische Periode“ zur Zeit des Nationalsozialismus.

[bearbeiten] Aufstieg zum Bildhauer der Nazis

1934 verließ Breker Frankreich und kehrte nach Deutschland zurück. Im Jahre 1936 begann sein rasanter Aufstieg zum prominentesten Bildhauer des sogenannten Dritten Reiches. 1937 trat er der NSDAP bei.

Er erhielt den Auftrag für zwei Monumentalfiguren für das „ Haus des Deutschen Sports“ („Zehnkämpfer“ und „Siegerin“), die insbesondere Hitlers Aufmerksamkeit erlangten. Für beide Figuren erhielt er bei der Olympischen Kunstausstellung in Berlin 1936 im Plastik-Wettbewerb die Silbermedaille des Internationalen Olympischen Komitees.

Mit den olympischen Spielen 1936 war von offizieller Seite die stilistische Orientierung an der Antike beschlossen. Brekers Anlehnung an Plastiken der griechischen Antike kam diesen Bestrebungen entgegen. In Brekers Figuren sahen die Nationalsozialisten die ästhetischen Ideale ihrer Rassenlehre, den „gesunden, arischen Menschentyp“, versinnbildlicht.

So wurde Brekers Ausdrucksform als „gestaltete Gesinnung, formgewordene Weltanschauung“, als richtungweisend für den „neuen deutschen Stil“ proklamiert. Rückblickend bezeichnete Breker selbst das Jahr 1936 als „Wendepunkt“ seiner Existenz. In der Folgezeit wurde er von der NS-Propaganda vereinnahmt, zum „bedeutendsten deutschen Bildhauer der Gegenwart“, gar zum Vorkämpfer der nationalsozialistischen Revolution stilisiert, schienen seine monumentalen Figuren doch hervorragend geeignet den Kampf des „Neuen Reiches“ gegen die „Verfallserscheinungen“ in der Kunst („Entartete Kunst“), als auch in der Gesellschaft visuell fassbar zu machen.

Bis Kriegsende konnte er zweiundvierzig seiner Werke auf dieser bedeutendsten Ausstellung nationalsozialistischer Kunst zeigen. So passte Breker nicht nur seinen eigenen Stil dem künstlerischen Ideal des Regimes an, sondern förderte in seiner Eigenschaft als Juror nur diejenigen Künstler, die im Sinne der Machthaber arbeiteten.

1936 wurde Breker Professor einer Bildhauerklasse an der Hochschule für Bildende Künste in Berlin und heiratete die Griechin Demetra Messala. Ende 1937 erhielt er den Auftrag zu den beiden Monumentalfiguren „Partei“ und „Wehrmacht“ für den Ehrenhof der „Neuen Reichskanzlei“ (Einweihung am 9. Januar 1939). Gleichzeitig arbeitete er an fünf Figuren („Wager“, „Wäger“, „Anmut“, „Psyche“, „Eos“) und zwei Marmorreliefs („Genius“, „Sieger“) für den so genannten „Runden Saal“ dieses Gebäudes. Diese Aufträge bildeten den Beginn der engen persönlichen Zusammenarbeit zwischen dem Bildhauer und Albert Speer, dem am 30. Januar 1937 ernannten Generalbauinspektor/GBI für die Reichshauptstadt Berlin, der die „Neugestaltung Berlins zur Hauptstadt des Großgermanischen Reiches“ planen und durchführen sollte.

1940 erhielt Breker als erster bildender Künstler den „Mussolini-Preis“ der Biennale in Venedig. 1941 wurde Breker Vizepräsident der Reichskulturkammer der Bildenden Künste.

1940 erhielt Breker zu seinem vierzigsten Geburtstag das zur Gemeinde Eichwerder (in Wriezen) gehörende ehemalige Rittergut Jäckelsbruch von Hitler geschenkt, als Ausdruck der „dankbaren Anerkennung seiner schöpferischen Arbeit im Dienste der deutschen Kunst“. Die Schenkung umfasste nicht nur das Schloss mit Park, sondern auch die gesamte Ausstattung des Hauses sowie ein vom Architekten Friedrich Tamms neu erbautes Atelier.

In Wriezen/Oder selbst befand sich seit Mitte 1941 ein großes Werksgelände mit Gleisanschluss und Kanalhafen – die Steinbildhauerwerkstätten Arno Breker GmbH. Die Werkstätten wurden in den folgenden Jahren mit Millionenbeträgen kontinuierlich ausgebaut. Gegen Ende des Krieges wurden bis zu 50 Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter für Arbeiten an den Figuren eingesetzt.

1944 erhielt Breker den Ruf an die damals Preussische Akademie der Künste als Vorsteher eines Meisterateliers und wurde in den Senat der Akademie aufgenommen. Ebenfalls 1944 wurde über Breker der Dokumentarfilm „Arno Breker – Harte Zeit, starke Kunst“ gedreht. (Regie: Arnold Fanck, Hans Cürlis; Produktion: Riefenstahl-Film GmbH, Berlin). Angesichts dieser zahlreichen Aktivitäten wurde der Bildhauer auf die Liste der „unersetzlichen Künstler“ gesetzt, was für ihn die Freistellung vom Kriegsdienst bedeutete.

Von den Monumentalplastiken wurden viele durch Kriegseinwirkung zerstört, andere Werke verschwanden in Depots oder befinden sich in privaten Sammlungen, einige seiner Werke stehen jedoch nach wie vor auf Sockeln in Museen, in Parks oder an Portalen und Plätzen, ohne auf den ersten Blick als Plastiken von Arno Breker erkannt zu werden.

[bearbeiten] Nachkriegszeit

Im Frühjahr 1945 setzte er sich nach Wemding in Bayern ab.

1948 wurde Breker bei der Entnazifizierung durch die Spruchkammer Donauwörth in der damaligen noch US-Besatzungszone Bayern, trotz seines massiven künstlerischen Engagements für den nationalsozialistischen Staat, als Mitläufer („fellow traveller“) eingestuft, da er sich nachweislich für viele von den Nazis verfolgte Künstler eingesetzt hatte.

In Paris hatte er nach eigener Darstellung während der Besetzung durch die Deutschen den Maler Pablo Picasso vor dem Zugriff der Gestapo bewahrt; der als Kommunisten-Freund bekannte Picasso sei so der Deportation in ein Konzentrationslager entgangen. Ein Verdienst von Arno Breker war die Rettung des deutschen Verlegers Peter Suhrkamp, der unter dem dringenden Verdacht des Widerstandes gegen Adolf Hitler inhaftiert worden war. Breker hatte Suhrkamp im Gefängnis besucht und sich bei Albert Speer und Hitler erfolgreich für die Entlassung des Verlegers eingesetzt.

1950 ließ Breker sich in Düsseldorf nieder.

Nach 1945 erhielt er kaum noch öffentliche, jedoch zahlreiche private Aufträge: Er porträtierte einflussreiche, vermögende Industrielle. Im Jahre 1990 wurde Breker in den von dem französischen Schriftsteller Roger Peyrefitte erneuerten Alexander-Orden (ursprünglich ein reines Männer-Bündnis) „Zum Ruhme männlicher Schönheit und männlichen Genies im Geiste der Antike“ aufgenommen.

Neben den Portraitbüsten behielt Breker seine ausgeprägte Vorliebe für athletische, meist männliche Körper bei. Bis in die 1980er Jahre arbeitete er, der nach eigenen Angaben „von Muskeln nie genug kriegen“ konnte (Breker 1980), nach Sportlermodellen. Als Modelle dienten ihm unter anderem der Zehnkämpfer Jürgen Hingsen, die Hochspringerin Ulrike Nasse-Meyfarth und der Schwimmer Walter Kusch. Hingsen wurde als „griechischer Apoll“ verewigt.

[bearbeiten] Breker, der Architekt

Breker hatte sich zeitlebens mit Architekturprojekten befasst. Nach 1945 wirkte er unter anderem als Architekt bei der Gestaltung der Gerling-Konzernzentrale in Köln mit. Breker war hier auch als Bildhauer tätig. Die Figuren auf dem zentralen Brunnen am Gereonshof stammen von ihm, sowie mehrere an den Wänden der Gebäude angebrachte Reliefs: Darstellungen der Heiligen Drei Könige, St. Georg und St. Martin, St. Christopherus sowie andere Figurengruppen.

[bearbeiten] Kontakte zu Rechtsextremen

Breker soll auch in der Nachkriegszeit Kontakt zu als rechtsextrem eingestuften Personen, Organisationen und Medien gehalten haben. Nach einem Bericht der Zeitschrift Stern nahm Breker in den 1970er Jahren den Goldenen Ehrenring des rechtsextremen Deutschen Kulturwerkes Europäischen Geistes entgegen.

[bearbeiten] Weblinks

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