Joachim Dorfmüller
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Joachim Dorfmüller (* 13. Dezember 1938 in Wuppertal) ist ein deutscher Musikpädagoge, Musikwissenschaftler, Pianist und Organist.
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[bearbeiten] Schule, Studium, Examina
Dorfmüller, einziges Kind des Wuppertaler Kantors, Organisten und Musiklehrers Ewald Dorfmüller (1898–1972) und seiner Ehefrau Meta geb. Kläber (1912–1986), wuchs nach der Ausbombung 1943 im sächsischen Werdau auf. Hier erhielt er als Sechsjähriger bei seinem Vater ersten Klavier-, später auch Violin- und Orgelunterricht. Nach dem Willen der Eltern sollte er Leipziger Thomaner werden, doch zerschlug sich der Plan, als die Familie 1951 legal in die Heimat zurückkehren und der Vater wieder seine früheren Tätigkeiten aufnehmen konnte. So besuchte Dorfmüller in Wuppertal das Carl-Duisberg-Gymnasium, legte hier 1959 das Abitur ab und studierte seitdem an der Staatlichen Hochschule für Musik in Köln Schulmusik mit den Hauptfächern Klavier und Orgel sowie dem Nebenfach Violine, dazu Philosophie und Pädagogik, ferner an der Universität zu Köln|Albertus-Magnus-Universität Köln Musikwissenschaft, Altphilologie und Geographie.
Das Studium schloss er im Dezember 1965 mit dem Ersten Philologischen Staatsexamen für die Fächer Musik und Latein ab. 1966/67 studierte er an der Philipps-Universität Marburg, an der er 1968 bei Heinrich Hüschen mit Studien zur norwegischen Klaviermusik der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts zum Dr. phil. mit den Nebenfächern Altphilologie bei Walter Wimmel und Pädagogik bei Wolfgang Klafki promovierte. 1961–63 Student in der Orgelklasse von Hans Klotz, setzte er 1969, nachdem er das Zweite Philologische Staatsexamen abgelegt hatte, seine Orgelstudien bei Wolfgang Stockmeier fort und legte bei ihm 1971 die Orgelreifeprüfung (Diplom) ab. 1982 wurde er an der Gerhart-Mercator-Universität Duisburg bei Norbert Linke mit Studien zu Tradition und Avantgarde in der Orgelmusik 1960–1980 für Musikwissenschaft habilitiert.
[bearbeiten] Pädagogisches
Seit 1959 nebenberuflich ununterbrochen als Organist, zeitweise auch als Chorleiter an der Lutherkirche zu Wuppertal-Barmen tätig, unterrichtete Dorfmüller nach Referendariaten in Neuss und Düsseldorf seit 1969 am Städtischen Gymnasium Wuppertal-Barmen als Studienassessor die Fächer Musik und Latein sowie einige Schuljahre auch Mathematik. 1972 wurde er zum Studienrat ernannt, drei Jahre später zum Oberstudienrat leistungsbefördert. Gleichzeitig war er 1971–1979 als Dozent für Orgel, Klavier und Musikgeschichte an dem von KMD Winfried Pesch geleiteten Kirchenmusikseminar Wuppertal tätig. 1978 wurde er aus dem Gymnasialdienst zu Habilitation und Lehre an das Institut für Musikpädagogik der Gesamthochschule / Universität Duisburg beurlaubt. Von hier aus wechselte er 1984 als Oberstudienrat im Hochschuldienst an das Institut für Musikpädagogik der Universität Münster. Hier lehrt er seit 1987 als außerplanmäßiger Professor und seit 1991 als Studiendirektor im Hochschuldienst Musiktheorie, Analyse und Musikgeschichte des 18. bis 20. Jahrhunderts. 1987 gründete er die Konzertreihen „Akademisches Mittagskonzert“ und „Akademische Orgelstunde“; letztere fand 2007 zum 1000. Male statt. 1991 gründete er das Komponistenfestival an der Universität Münster; es widmete sich einmal im Semester in der Regel zeitgenössischen Komponisten. Sein Faible für die skandinavische Musik führte ihn 1995 mit seinem Kollegen Ekkehard Kreft zur Gründung der Edvard Grieg-Forschungsstelle der Universität Münster und zusammen mit Bodo Müller (Schwelm) und Verena Offermann (Wuppertal) zur Gründung der Deutschen Edvard Grieg-Gesellschaft e. V. mit Sitz in Wuppertal. Beide teilten die Aufgaben: Kreft als Direktor der Forschungsstelle und Vizepräsident der Edvard-Grieg-Gesellschaft, Dorfmüller als Präsident dieser Gesellschaft und Vertreter Krefts in der Forschungsstelle. Von Dorfmüller betreute Staatsarbeiten und Dissertationen widmen sich vorwiegend der Musik seit dem Barockzeitalter mit Schwerpunkten im 20. Jahrhundert. 2004 emeritiert, lehrt er bis auf Weiteres an der Universität Münster und betreut mehrere Doktoranden.
[bearbeiten] Künstlerisches, Publizistisches
Dorfmüller gab vornehmlich als Organist und Pianist bisher über 3100 Konzerte in zwei Dutzend Ländern inklusive USA und Japan und spielte mehr als 50 LPs/CDs im In- und Ausland mit Werken vom Barock bis zur Gegenwart ein. Über 150 Werke (zumeist für Orgel) brachte er zur Uraufführung. Er gründete 1973 die Wuppertaler Orgeltage, deren künstlerischer Leiter über ein Vierteljahrhundert war. 1969–75 war er Mitglied des von Günther Becker geleiteten Live-elektronischen MegaHertz-Ensembles. Er schrieb außer ungezählten Rezensionen bisher sieben Bücher und über 500 Fachaufsätze, darunter über 180 Lexikonartikel unter anderem für die „Rheinischen Musikerbiographien“ (Fellerer; Kämper; Bremer) „Das große Lexikon der Musik“ (Massenkeil; Herder) sowie für die Neuauflage der Enzyklopädie „Musik in Geschichte und Gegenwart“ (Finscher; Bärenreiter/Metzler). Transkriptionen (meist für Orgel solo) und Neueditionen (Klavier, Orgel) brachte er bei in- und ausländischen Verlagen heraus. Als Lektor, Pianist und Organist wirkt er seit 1985 fast jährlich mindestens einmal auf Kreuzfahrten von Hapag-Lloyd. Wissenschaftliche Vorträge hielt er – in der Regel jeweils mit Klangbeispielen am Klavier – an Universitäten, Fachhoch- und Hochschulen sowie Akademien und auf Kongressen im In- und Ausland, ferner im Inland populärwissenschaftliche Vorträge an Schulen, Volkshoch- und Musikschulen sowie im Rahmen der Kinderuniversität.
[bearbeiten] Mitgliedschaften, Auszeichnungen
Dorfmüller ist unter anderem Mitglied des Leitenden Rates der Humboldt-Gesellschaft sowie der Agder Vitenskapsakademi der Universität Kristiansand (Norwegen). In Anerkennung seiner besonderen Verdienste um die Kirchenmusik ernannte ihn die Evangelische Kirche im Rheinland 1990 zum Kirchenmusikdirektor. 1991 wurde er mit dem Rheinlandtaler des Landschaftsverbandes Rheinland, 1998 mit einem Forschungsstipendium der Norwegischen Akademie der Wissenschaften Oslo sowie 2004 mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet.
[bearbeiten] Privates
Dorfmüller ist seit 1976 verheiratet mit der Diplomtextilingenieurin Ursula geborene Petschelt (geb. 1950) und hat mir ihr drei Kinder: Birte verheiratete Klünder (*1978), Helge Christian (*1980) und Ann-Kristin (*1986).
