Notfallseelsorge-Dienst Radevormwald
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Der Notfallseelsorge-Dienst Radevormwald ist ein Angebot der christlichen Gemeinden in Radevormwald zur psychosozialen Versorgung von Menschen in Krisensituationen. Seit dem 1. September 1998 arbeitet der Dienst in enger Kooperation mit der Feuer- und Rettungswache Radevormwald.
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[bearbeiten] Hintergrund
Jedes Jahr sterben in Nordrhein-Westfallen mehrere hundert Menschen nur bei Verkehrsunfällen. Auch die Rettungskräfte aus Radevormwald werden zu vielen Notfällen gerufen. Zwei Tote forderte z.B. ein schwerer Unfall in 2007 und nicht nur zu diesem traurigen Einsatz riefen die Rettungskräfte die Notfallseelsorger zur Hilfe. Seit dem 1. September 1998 steht ein Team von Notfallseelsorgern zur Verfügung die da ansetzen, wo die Arbeit der meisten anderen Helfer/innen nicht helfen kann: Bei der Versorgung der psychisch-seelischen Wunden, die durch ein traumatisches Ereignis bei Angehörigen der Opfer und bei Überlebenden von Unglücken entstanden sind.
[bearbeiten] Rader Notfallseelsorger im Einsatz
Die Radevormwalder Notfallseelsorger arbeiten im Wechsel. Immer ein Mitarbeiter hat für eine Woche die 24-Stunden-Einsatzbereitschaft. Die Notfallseelsorger werden von der Feuer- und Rettungswache Radevormwald bei Bedarf verständigt. Sie kommen dann direkt zum Ort des Geschehens (Unfallstelle, Wohnung o.ä.), werden dort von der Einsatzleitung über den Einsatz selbst (Was ist passiert?), den Stand der Dinge und ihre Aufgaben informiert und begeben sich dann zu den Menschen, die psychosozialen Beistand brauchen. Das sind Frauen und Männer jeden Alters, manchmal verletzt, teils auch an der Grenze zwischen Leben und Tod. Hin und wieder auch Kinder und Jugendliche, die mit einem Unglück konfrontiert wurden. Unter Schock stehende Angehörige und Unfallzeugen gehören dabei ebenso wie auch die Mitarbeiter/innen von Rettungsdiensten zu der Gruppe der Personen, für die die Notfallseelsorger da sind. Nach dem Akuteinsatz verständigt der Notfallseelsorger den zuständigen Pfarrer der Gemeinde und die Betreuung kann über den Einsatz am Unfallort hinausgehen. Selbstverständlich wird nach Kräften versucht, auf die Wünsche der Betroffenen einzugehen, z.B. wenn ein Geistlicher einer anderen Glaubensrichtung gewünscht wird o.ä.
Zu erkennen sind die Notfallseelsorger an der Unfallstelle an der Jackenaufschrift „Notfallseelsorger“. Sie tragen einen Koffer oder eine Tasche mit sich, worin neben Stadtplan und Handy auch der Dienstausweis liegt sowie ein Schild fürs Auto, das die freie Fahrt zum Ort des Geschehens garantiert.
[bearbeiten] Einsatzbeispiele
Viele Einsätze von Notfallseelsorge-Diensten finden im häuslichen Bereich statt, zum Beispiel die Betreuung von Angehörigen nach einer erfolglosen Wiederbelebung, die Betreuung von Eltern bei kindbezogenen Notfällen (z.B. Plötzlicher Kindstod), die Betreuung von Gewaltopfern oder auch das Überbringen einer Todesnachricht in Zusammenarbeit mit der Polizei. Einsätze an einem Unfallort umfassen meistens die Betreuung von Angehörigen, von Unfallzeugen und anderen Beteiligten vor Ort, die Betreuung der Opfer von Bränden o.ä., die eine Evakuierungen erlebten, die Betreuung bei Großschadenslagen und Katastrophen wie etwa Zug- und Busunglücken, Flugzeugabstürzen usw. Täglich berichten Medien über solche Ereignisse, über tragische Unfälle und Unglücksereignisse verschiedenster Art. Immer häufiger wird dabei auch der Einsatz von Notfallseelsorger/innen erwähnt, die betroffenen Menschen Beistand geleistet haben.
Auch in Radevormwald gibt es immer wieder ernste Situationen, in denen die Rettungskräfte auf die Unterstützung von Notfallseelsorgern zurückgreifen. Für andere Menschen, aber auch für sich selbst. Einige Beispiele:
Der letzte große Einsatz für die Rader Notfallseelsorger war im September 2009: Bei einem schweren Busunglück in unmittelbarer Nähe des Wuppermarktes in Dahlerau starben fünf Menschen, sieben wurden verletzt. 20 Notfallseelsorger aus Radevormwald und Umgebung waren da, um sich der Opfer und Helfer vor Ort anzunehmen sowie Angehörigen die Nachricht von dem Unglück zu überbringen:
[bearbeiten] Was ist Notfallseelsorge?
Die Notfallseelsorge ist eine kirchliche Krisenintervention, die auf psychosozialer Basis seelsorgerischen Beistand für Menschen in einer akuten Krisensituation leistet. Als Grundmotiv der Notfallseelsorge steht dabei das Gebot der Nächstenliebe als Bereitschaft anderen Menschen zu helfen und ihnen auch in schwierigsten Lebenslagen beizustehen. Die Orientierung am christlichen Welt- und Menschenbild ist daher die Basis des Notfallseelsorgedienstes, der allen Menschen unabhängig von ihrer Religion und Weltanschauung angeboten wird.
Anders als beispielsweise die Mitarbeiter/innen der Telefonseelsorge ist die Notfallseelsorge eine aufsuchende Arbeit. Das heißt, die Mitarbeiter/innen werden über Rettungsdienste, Polizei oder Feuerwehr informiert und kommen direkt zum Einsatzort. Dort bieten sie allgemein Beratung und Unterstützung für Opfer, Helfer und andere Beteiligte an sowie die Nachsorge.
[bearbeiten] An wen wendet sich Notfallseelsorge?
Bei einer Notfallsituation (zum Beispiel einem schweren Verkehrsunfall, einer sogenannten „Großschadenslage“ oder einem traumatischen Erlebnis im privaten Bereich) gibt es drei Gruppen von Beteiligten, an die sich die Notfallseelsorge wendet: Zum einen die durch den Notfall aufgrund einer körperlichen Verletzung geschädigten Menschen (z.B. Unfallopfer), zum anderen die Menschen, die den Notfall miterlebt haben, aber körperlich unverletzt geblieben sind (unverletzte Beteiligte, Zeugen, Angehörige) und nicht zuletzt die Notfallhelferinnen und -helfer (Mitarbeiter/innen von Rettungsorganisationen und Polizei). Die Notfallseelsorge-Dienste arbeiten zwar im Auftrag der Kirchen, aber dennoch für alle Menschen. Es wird bei einem Einsatz nicht nach Religion, Weltanschauung usw. gefragt.
[bearbeiten] Wer leistet Notfallseelsorge?
Notfallseelsorge wird von Seelsorger/innen geleistet, die eine Zusatzausbildung in Notfallseelsorge absolviert haben. Dabei lernen sie zum einen den Umgang und die Betreuung von Menschen in teiweise sehr extremen Krisiensituationen, die psychischen Vorgänge nach einem potentiell traumatischen Ereignis, die Auswirkungen fehlschlagender oder mangelhafter Bearbeitung usw. Und sie lernen auch den emotional-psychischen Selbstschutz, also selbst mit belastenden Ereignissen gut umzugehen, sich eigene Ressourcen zu schaffen, zu erhalten und zu nutzen und mit der belastenden Arbeit und den Menschen angemessen umzugehen (z.B. Nähe <-> Distanz). Notfallseelsorger/innen sind meistens ehrenamtlich tätig. Sie kommen meistens, aber nicht ausschließlich, aus kirchlichen Arbeitsfeldern. Neben dem Angebot religiöser Betreuung sind vor allem auch die persönliche Ansprache, allgemein das Beistand leisten, (Unter-) Stützen, Zuhören, Da-Sein, das Schenken von Aufmerksamkeit und die Aktivierung persönlicher Ressourcen der betroffenen Menschen zur Bearbeitung des traumatischen Erlebnisses wichtige Aufgaben und Anliegen der Notfallseelsorger/innen.
[bearbeiten] Was ist das Ziel von Notfallseelsorge?
Wie bei jeder Krisenintervention ist auch bei der Notfallseelsorge das Ziel stets die Vermeidung negativer psychosozialer Langzeitfolgen des traumatischen Ereignisses und damit die Vermeidung einer Posttraumatischen Belastungsstörung bei den von einem Unglück betroffenen Menschen.
[bearbeiten] Weblinks
- Notfallseelsorge in Deutschland
- Telefonseelsorge in Deutschland
- rga-Artikel: „Erste Hilfe für die Seele“, 21.08.1998
- rga-Artikel: „Notfallseelsorge - Große Hilfe für die arme Seele“, 26.05.2000
- rga-Artikel: „Notfallseelsorger wollen sich in Rade etablieren“, 06.11.2000
- rga-Artikel: „RS: Kirche streicht Finanzierung der Notfallseelsorge“, Frank Plasberg übernimmt Schirmherrschaft für die Notfallseelsorge im Bergischen Land, 05.02.2010
