Wolfgang Tillmans

Aus BergischesWiki

Wechseln zu: Navigation, Suche
Wolfgang Tillmans, © Foto: Michael Sieber
Wolfgang Tillmans, © Foto: Michael Sieber

Wolfgang Tillmans (* 16. August 1968 in Remscheid ist ein in London und Berlin lebender deutscher Fotograf und Kunstprofessor.

Inhaltsverzeichnis

[bearbeiten] Leben und Werk

Wolfgang Tillmans interessierte sich schon während der Schulzeit für Fotografie. 1983 kam er als Sprachschüler nach England, lernte die britische Jugendkultur und die dortigen Style- und Musikzeitschriften wie i-D kennen.

Von 1987 bis 1990 lebte Tillmans in Hamburg und arbeitete als Telefonist in einer städtischen Hilfsorganisation. Dort benutzte er den Fotokopierer, um gefundene Fotografien zu vergrößern, lernte 1988 die lokale Rave-Szene kennen und begann diese aufkommende Subkultur zu dokumentieren.

Seine Momentaufnahmen und Portraits junger Leute wurden ab 1988 in den diversen Magazinen veröffentlicht .Von 1990 bis 1992 studierte er am Bournemouth & Poole College of Art & Design. Mit seiner Serie über die Berliner „Love Parade“ (1992) gelang ihm der künstlerische Durchbruch.

Zur Dokumentation seiner Umgebung gehören Bilder von seinen Freunden, seinem Lebensgefährten sowie der schwulen Subkultur, wie zum Beispiel dem European Gay Pride 1992 in London. Die Serien mit seinen Freunden Lutz und Alex, ebenfalls 1992 in i-D publiziert, sind heute bedeutende Foto-Dokumente der 1990er Jahre. Nach seinem Studium lebte er in London, reiste immer wieder nach New York und übersiedelte 1994 dorthin.

Von 1998 bis 1999 hatte er an der Hochschule für bildende Künste Hamburg eine Gastprofessur inne und ist seit 2003 ordentlicher Professor für Interdisziplinarität|interdisziplinäre Kunst an der Staatlichen Hochschule für Bildende Künste – Städelschule in Frankfurt am Main.

2000 gewann er als erster Fotograf und Nichtengländer den bedeutenden Turner-Preis.

Seit dem Jahre 2000 wendet Tillmans sich zunehmend abstrakten Sujets zu, Fotos, die ohne Kamera entstehen („Blushes“, „Freischwimmer“, „Lighter“ u.a.).

2002 drehte er für die Popband Pet Shop Boys einen Videoclip zu deren Single Home & Dry, der hauptsächlich aus dokumentarischen Aufnahmen von in der Londoner U-Bahn lebenden Mäusen bestand.

Im April 2006 eröffnete er in London den Ausstellungsraum Between Bridges mit Arbeiten des New Yorker Künstlers und Aktivisten David Wojnarovicz, welcher 1992 an den Folgen von AIDS starb und bei Tillmans durch seine Schriften und seinen Auftritt in Rosa von Praunheims Film Silence = Death einen bleibenden Eindruck hinterließ. In dieser kleinen Galerie, im Hause seines Ateliers, will er vor allem politische Kunst anderer Künstler zeigen.

Tillmans' auffälligste Merkmale dürften zum einen die scheinbare Beiläufigkeit seiner Aufnahmen, zum anderen seine Vielfältigkeit sein. Weder lässt er sich auf bestimmte Sujets noch auf bestimmte Techniken festlegen, er kombiniert Bilder von Freunden mit Stilleben und politischen Motiven oder Magazinlayout-Seiten mit Fotokopien. Meist wird dabei die Grenze von Privatem und Öffentlichem berührt. Bislang präsentierte er seine Bilder meist ohne Rahmen als auf die Wand gepinnte Abzüge in unterschiedlichen Formaten. Mittlerweile ist auch diese Präsentationsform einer größeren Vielfalt gewichen, werden seine Prints immer häufiger auch gerahmt gezeigt. In einem Zeit-Interview äußerte er einmal: „Obwohl ich weiß, dass die Kamera lügt, halte ich doch fest an der Idee von einer fotografischen Wahrheit“.

Als Antwort auf Fragen nach Künstlern, die ihn inspiriert hätten, nannte Tillmans wiederholt den spanischen Maler Francisco de Zurbarán (1598-1664).

[bearbeiten] Ausstellungen (Auswahl)

  • 1988 Erste Einzelausstellung, Café Gnosa, Hamburg
  • 1993 Buchholz + Buchholz, Köln
  • 1995 Kunsthalle Zürich
  • 2001 Deichtorhallen, Hamburg
  • 2002 Palais de Tokyo, Paris, Frankreich
  • 2003 Tate Britain, London, Großbritannien
  • 2003 Louisiana Museum for Moderne Kunst, Humlebæk, Dänemark
  • 2006 Museum of Contemporary Art, Chicago
  • 2007 Kestner Gesellschaft Hannover
  • 2008 Hamburger Bahnhof, Berlin

[bearbeiten] Bücher (Fotobände, Auswahl)

[bearbeiten] Preise (Auswahl)

  • 1995 ars viva Preis des Kulturkreis der deutschen Wirtschaft
  • 1995 Kunstpreis der Böttcherstrasse, Bremen
  • 2000 Turner Prize, Tate Gallery, London, Großbritannien
  • 2001 Gewinner des Wettbewerbs zur Errichtung eines AIDS-Memorials am Sendlinger-Tor-Platz, München
Persönliche Werkzeuge